Hornhautverkrümmung: Diagnose, Ursachen und Formen

02.03.2022 | News, Rund ums Auge

Hornhautverkrümmung auch Astigmatismus

Bei einer Horn­­haut­­ver­­krüm­­mug – auch Astig­­matis­­mus oder Stab­­sichtig­­keit – ist die Ober­­fläche des Auges ver­formt. Dadurch entstehen mehrere Bilder auf der Netz­haut. Menschen mit einer Horn­­haut­­ver­­krüm­­mung sehen verzerrt.

Diagnose Sehtest: Wie wird Astig­matis­mus / Stab­sichtig­keit fest­ge­stellt?

Bei einem Sehtest wird er­mittelt, ob Sie in der Weite und / oder Ferne unscharf sehen und in welcher Rich­tung die Krüm­mung oder Wöl­bung Ihrer Horn­haut vorliegt. Ab 0,5 Dioptrien gilt eine Horn­haut­ver­krüm­mung als Seh­fehler und bedarf einer Korrektur mit einer Brille, Kontakt­linsen oder auch dem Augen­lasern.

Zur Bestim­mung einer Horn­haut­ver­krüm­mung sind zwei Werte wichtig: Der Zylinder in Dioptrien und die Achs­lage als Grad­zahl. Beide Werte sind auf dem Brillen­pass zu finden:

  • Zylinder (Zyl): Die Aus­prägung / Stärke der Horn­haut­ver­krüm­mung in Dioptrien
  • Achse (Achs): Die Achs­lage der Horn­haut­ver­krüm­mung in einem Radius von 360 Grad

Ermittelt wird Astig­matis­mus durch objek­tive Refrak­tion, also durch Mess­ungen mit ent­sprech­enden Geräten, und durch eine anschließ­ende subjektive Refrak­tions­bestim­mung.

Die objektive Ver­messung der Horn­haut­ver­krüm­mung und -topo­grafie erfolgt mit einem Ophthalmometer oder Keratograf. Die sich daraus ergeb­enden Werte dienen als Grund­lage für die anschließ­ende sub­jektive Bestim­mung. Diese erfolgt in zwei Schritten, in denen zunächst die Stärke und anschließ­end die Achse abge­glichen wird (Stärken­ab­gleich und Achs­abgleich).

Der Abgleich erfolgt mit einem Phoropter oder dem Sehtest mit einem Astig­matis­mus-Sonnen­rad. Dieses sieht aus wie eine Sonne mit 36 gleichen Strahlen, die im Abstand von jeweils 10 Grad zuein­ander ange­ordnet sind. Betrach­tet man das Bild mit einem Auge in verschie­denen Ab­ständen kann die Lage der Horn­haut­ver­krüm­mung festge­stellt werden: Sie beur­teilen subjektiv ob Ihnen alle Strahlen mit gleich­mäßiger Strich­stärke und Abständen erscheinen. Bei einem Astig­matis­mus sehen die ein­ander gegen­über­lieg­enden Strahlen in der ent­sprech­enden Richtung anders aus, als die dazu senk­rechten Strahlen­paare.

Hornhautverkrümmung: unscharfe Sicht in der Ferne und unscharfe Sicht in der Nähe

Klingt kompliziert? Keine Sorge: Durch die Art und Weise wie Sie das Sonnen­rad und von Ihnen wahr­genom­mene Unschärfen darin im Sehtest beschrieben kann Ihr Augen­arzt oder Augen­optiker die Lage Ihrer Horn­haut­ver­krüm­mung (Achse) für Sie bestimmen.

  • Die Dioptrie ist die Maß­einheit für den Brech­wert. Ein normal­­sichtiges Auge hat eine Gesamt­­brech­­kraft von maximal ca. 63 Dioptrien. Eine Fehl­sichtig­keit wird als Abweich­ung in Dioptrien von diesen idealen Werten gemessen.
  • Je nach Tages­zeit, Licht, Ihrer Aus­geruht­heit und Ihrem Wohl­befin­den können die Ergebnisse des Sehtests unter­schied­lich aus­fallen. Eventuell kann es hilfreich sein Ihre Werte mehrmals zu kon­trol­lieren.

Damit Ihre Brille oder Kontakt­linsen für Sie indivi­duell perfekt ange­fertigt werden können, ist ein profes­sionel­ler Sehtest mit exakten Werten bei einem Experten essentiell.

Ursachen & Formen von Astigmatismus

Welche Formen von Astig­matis­mus gibt es?

Grund­sätz­lich ist Astig­matis­mus / Stab­sichtig­keit keine Erkrank­ung, sondern eine natür­liche Unregel­mäßig­keit der Augen. Die Ursache für Astig­matis­mus kann einerseits eine Un­regel­mäßig­keit der Augen­ober­fläche (Horn­haut­ver­krüm­mung) sein, aber auch durch eine ungleich­mäßig geformte Augen­linse her­vor­gerufen werden.

Oft fällt eine leichte Horn­haut­ver­krüm­mung nicht auf, da das Gehirn das Bild meist noch aus­gleichen kann. Darüber hinaus kann es auch sein, dass manche Menschen mit Astig­matis­mus in manchen Bereichen schärfer sehen als in anderen. Dies liegt daran, dass in diesem Bereich der Licht­einfall nicht gestört ist.

Häufig tritt eine Horn­haut­ver­krüm­mung in Kombi­nation mit Kurz­sichtig­keit (Myopie) oder Weit­sichtig­keit (Hyper­opie) auf. Welche Fehl­sichtig­keit bei Ihnen vorliegt kann ich einem Sehtest ermittelt werden. Darüber hinaus kann noch einmal zwischen regu­lären und irre­gulären Astig­matis­mus unter­schieden werden.

Hornhautverkrümmung: anatomische Ursachen des Astigmatismus
1. Horn­haut­ver­krüm­mung

Die Hornhaut (Cornea) des Auges ist nicht exakt kugel­förmig gewölbt. Einfal­lende Licht­strahlen werden vertikal und hori­zontal unter­schied­lich stark gebrochen. Anstelle eines Brenn­punkts – in dem das scharfe Bild auf der Netz­haut entsteht – ent­stehen Brenn­linien. Die Folge: Das Bild wird verzerrt auf der Netz­haut (Makula) abge­bildet.

  • Daher das griech­ische Wort Astig­matis­mus: „Punkt­losig­keit“. Oft wir auch von Stab­sichtig­keit gesprochen, da runde Objekte oft als verzerrt und oval wahr­genom­men werden.
2. Linsen­astig­matis­mus

Astig­matis­mus ist jedoch nicht nur eine Horn­haut­ver­krüm­mung: Auch die Augen­linse kann die Ursache für die Fehl­sichtig­keit sein. Sie kann ungleich­mäßig gewölbt (nicht rein sphärisch) sein, oder die Dichte der Linsen­schichten weist Diffe­renzen auf (refraktiv). Darüber hinaus kann Astig­matis­mus auch auftreten, wenn die inneren Augen­muskeln nicht gleich­mäßig arbeiten (akkom­modativ). In allen drei Fällen spricht man von Linsen­astig­matis­mus oder „lentiku­lärem Astig­matis­mus“ – jedoch tritt dieser deutlich seltener als eine Horn­haut­ver­krüm­mung auf.

Unabhängig davon, ob der Astig­matis­mus durch eine unregel­mäßig gewölbte Horn­haut oder Augen­linse entsteht wird zudem auch zwischen regulärem und irregu­lärem Astig­matis­mus unterschieden:

1. Regulärer Astig­matis­mus

Regulärer Astig­matis­mus entsteht durch die Ver­krüm­mung der Horn­haut: Es entstehen zwei zueinander senk­rechte Brenn­linien. Je nachdem wo die beiden Brenn­linien liegen (vor, auf und / oder hinter der Netz­haut), spricht man von kurz­sichti­gem, weit­sichti­gem oder gemischtem Astig­matis­mus (myoper, hyper­metroper Astig­matis­mus oder Astig­matis­mus mixtus): Die Brech­kraft des Auges ist somit schwächer oder stärker. Da sich hier noch bestimmte Regeln als Ursache für den Astig­matis­mus erken­nen lassen, ist diese Form meist gut mit einer Brille oder Kontakt­linsen aus­gleich­bar. Schwieriger wird es bei einem irregu­lären Astig­matis­mus:

2. Irregu­lärer Astig­matis­mus

Wenn mehrere Horn­haut­stellen eine andere Brech­kraft besitzen spricht man von irregu­lärem Astig­matis­mus. Dadurch wird das Licht auf unter­schied­lichste Weise gebrochen. In Extrem­fall sind sogar keine Brenn­linien mehr erkenn­bar, weshalb irregu­lärer Astig­matis­mus beson­ders schwierig zu behandeln ist.
Ursachen für einen irregu­lären Astig­matis­mus können eine Fehl­bildung der Horn­haut wie beispiels­weise Horn­haut­narben oder ein Kerato­konus sein.

Hornhautverkrümmung: Ursachen eines irregu­lären Astig­matis­mus wie Keratokonus
Welche Ursache hat Astig­matis­mus?

Oft ist eine Horn­haut­ver­krüm­mung / Stab­sichtig­keit ange­boren und genetisch bedingt. Tat­sächlich gilt eine leicht verkrüm­mte Hornhaut sogar als normal und ist mit bis zu 0,5 Dioptrien weit verbreitet.

Sollte eine Horn­haut­ver­krüm­mung erst später im Leben auf­treten, ist sie meist Folge von Ver­letz­ungen, Ent­zünd­ungen oder einer Vernarb­ung in Folge einer Augen­opera­tion. Darüber hinaus kann (wenn auch selten) die Augen­krankheit „Kerato­konus“ Ursache für einen irregu­lären Astig­matis­mus sein.

Behandlung: Wie lässt sich Astig­mastis­mus korrigieren?

Brille & Kontaktlinsen oder Augenlasern

Eine Horn­haut­ver­krüm­mung wird üb­licher­weise durch eine Brille oder weiche Kontaktlinsen mit Ihren indivi­duellen Werten korrigiert. Dabei wird eine soge­nannte torische Linse (auch Zylinder­glas) für Ihre Brille oder Kontakt­linsen ver­wendet. Diese hat zwei unter­schied­liche Brech­werte, die senkrecht zu­ein­ander­stehen und somit die durch die Horn­haut­ver­krüm­mung ver­schob­enen Brenn­linien korrigieren. Die torische Linse rückt das ins Auge einfal­lende Licht sozu­sagen wieder gerade, damit es wieder in einem scharfen Brenn­punkt auf der Netz­haut ankommt.
Die Linse der Brille oder Kontakt­linse kann darüber hinaus auch konkav (nach innen gewölbt) oder konvex (nach außen gewölbt) sein, um eine Kurz­sichtig­keit oder Weit­sichtig­keit mit zu korrigieren. Mit einem Sehtest wird fest­gestellt welche Linsen Sie für eine Brille mit Ihren indivi­duellen Werten benötigen.

Darüber hinaus kann eine Horn­haut­ver­krüm­mung auch mit harten Kontakt­linsen korrigiert werden. Diese sind formstabil, sodass sich darunter ein Tränen­film bildet, der die Horn­haut­ver­krüm­mung auto­matisch aus­gleicht. Besonders bei sehr starkem oder irregu­lärem Astig­matis­mus ist eine Korrektur oft nur noch mit harten Kontakt­linsen anstatt einer Brille möglich. Erzielen auch diese kein zufrie­den­stel­len­des Ergebnis mehr, hilft nur noch eine Horn­haut­trans­plan­tation. Dies ist jedoch selten der Fall.

Die moderne Lös­ungen zu Seh­hilfen wie der Brille oder Kontakt­linse sind das Augen­lasern oder Pre­mium­linsen. Durch eine kurze und schmerz­freie Be­hand­lung können Sie lang­fristig auf Ihre Seh­hilfe ver­zichten. Augen­ärzte em­pfeh­len das Augenlasern beson­ders Menschen, die auf­grund Ihrer Brille oder der Kontakt­linsen Kopf­schmerzen, Augen­schmerzen oder -ent­zün­dungen bekom­men, da diese in den meisten Fällen von den Seh­hilfen hervor­ge­rufen werden.

Wir beraten Sie hierzu gerne in einem per­sön­­lichen Gespräch in einem unserer Standorte in Berlin oder Hamburg. Kosten­­frei und un­ver­­bind­­lich.

 

Horn­haut­ver­krüm­mung bei Kindern

Bei Kindern ist die früh­zeitige und korrekte Korrektur der Horn­haut­ver­krüm­mung mit einer Brille beson­ders wichtig, da Kindern andern­falls nicht richtig sehen lernen. Damit sich der Sehsinn voll­ständig entwickeln kann und das Gehirn die Wahr­nehmung richtig lernt, ist scharfes Sehen essen­tiell. Ob Ihr Kind eine Horn­haut­ver­krüm­mung oder eine andere Fehl­sichtig­keit hat, kann mit einem Sehtest beim Augen­arzt festge­stellt werden.

 

Wächst sich eine Horn­haut­ver­krüm­mung aus?

Nein, eine Horn­haut­ver­krüm­mung verwächst sich nicht einfach oder ver­schwindet. Da das Auge unwill­kürlich einen geringen Astig­matis­mus durch Akkom­mo­dation aus­gleichen kann, kann es besonders Menschen mit einer leichten Horn­haut­ver­krüm­mung so vor­kommen, als würde der Sehfehler verschwinden.

Dennoch sollte jeder Astig­matis­mus mit mehr als 0,5 Dioptrien korrigiert mit einer Brille oder Kontakt­linsen werden, da es sonst zu einer Über­bean­spruch­ung der inneren Augen­muskeln (Ziliar­muskeln) kommen kann. Eine Horn­haut­ver­krüm­mung kann darüber hinaus auch mit einer Augen­laser-Behand­lung oder soge­nannten implan­tier­baren Kontakt­linse korrigiert werden.

Risiken einer Hornhautverkrümmung

Gibt es Risiken bei Astig­matis­mus?

Wird Astig­matis­mus / Stab­sichtig­keit mit mehr als 0,5 Dioptrien nicht durch eine Brille, Kontakt­linsen oder andere Behand­lung korri­giert, werden die inneren Augen­muskeln (Ziliar­muskeln) über­bean­sprucht. Das Auge versucht stetig den Seh­fehler auszu­gleichen. Dadurch ent­stehen Kopf- und Augen­schmerzen, sowie über­mäßige Müdig­keit. Darüber hinaus kann sich auch ein Schielen entwickeln.

 

Unter­schied zu Kerato­konus

Ein Kerato­konus ist im Gegen­satz zum Astig­matis­mus eine degene­rative Erkran­kung der Augen. Darunter versteht man die fort­schreit­ende und irregu­läre Vorwöl­bung und Aus­dün­nung der Horn­haut (Cornea). Ein Kerato­konus ist daher mit schwan­kender und abnehm­ender Seh­schärfe verbunden und einer der häufigsten Gründe für eine Horn­haut­trans­pla­ntation. Diese starke Form der Horn­haut­ver­krüm­mung kann durch eine Brille nicht mehr korrigiert werden. Häufig kommen form­stabile Kontakt­linsen zum Einsatz.

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