Alternativen zum Augenlasern: ICL und Linsentausch im Überblick

Juli 18, 2025

Nicht jede Fehlsichtigkeit lässt sich mit dem Laser korrigieren: Bei dünner Hornhaut, sehr hohen Dioptrienwerten oder Alterssichtigkeit sind die Alternativen zum Augenlasern oft die bessere Wahl. Die zwei etablierten Verfahren sind die implantierbare Kontaktlinse (ICL) als Zusatzlinse und der refraktive Linsentausch, bei dem die körpereigene Linse durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Beide Verfahren verzichten auf den Hornhautabtrag und decken Bereiche der Sehkorrektur ab, die dem Laser verschlossen bleiben.


Lachendes Paar genießt gemeinsam einen sonnigen Stadtbummel ohne Brille.

Wann ist Augenlasern nicht möglich?

Ein Laserverfahren scheidet bei Lasermed aus, wenn die Hornhaut dünner als 500 Mikrometer (µm) ist, die Fehlsichtigkeit den Korrekturbereich des Lasers übersteigt, die Sehwerte schwanken oder eine Erkrankung der Hornhaut oder Linse vorliegt. Das Verfahren formt die Hornhaut mit dem Laser neu und setzt deshalb eine ausreichend dicke, gesunde Hornhaut und stabile Sehwerte voraus. Fünf Befunde sprechen in der Praxis am häufigsten gegen eine Laserbehandlung:

  • Zu dünne Hornhaut: Für ReLEx SMILE Pro und Femto-LASIK fordern wir bei Lasermed eine Hornhautdicke von mindestens 500 Mikrometern. Liegt Ihre Hornhaut darunter, bliebe nach dem Abtrag zu wenig Restgewebe für eine dauerhaft stabile Hornhaut. In Grenzfällen kommt die oberflächliche PRK (photorefraktive Keratektomie) als Laser-Alternative infrage.
  • Sehr hohe Fehlsichtigkeit: Die LASIK-Verfahren korrigieren Kurzsichtigkeit bis etwa -7 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis etwa +4 Dioptrien und Hornhautverkrümmung bis etwa 4 Dioptrien. Höhere Werte übersteigen den sicheren Korrekturbereich.
  • Instabile Sehstärke: Ihre Fehlsichtigkeit darf sich im letzten Jahr um höchstens ± 0,5 Dioptrien verändert haben. Der Prüfzeitraum von einem Jahr entspricht der Vorgabe der amerikanischen Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration, FDA).
  • Hornhauterkrankungen: Veränderungen wie der Keratokonus, eine kegelförmige Verformung der Hornhaut, schließen eine Laserbehandlung aus.
  • Alterssichtigkeit und Linsenveränderungen: Ab etwa 45 Jahren verliert die natürliche Linse an Elastizität, ab etwa 60 steigt das Risiko für den Grauen Star. In beiden Fällen ist ein Linsenverfahren meist die tragfähigere Lösung.

Für das Augenlasern gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Eine Behandlung jüngerer Patienten ist laut Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) kontraindiziert. Alle Grenzwerte im Detail lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Voraussetzungen für das Augenlasern. Liegt einer der genannten Gründe vor, kommen die zwei bewährten Alternativen infrage: die ICL als Zusatzlinse oder der refraktive Linsentausch.

ICL: Implantierbare Kontaktlinse als Zusatzlinse

Die implantierbare Kontaktlinse, kurz ICL, ist eine hauchdünne Kunstlinse, die der Operateur hinter der Regenbogenhaut und vor der körpereigenen Linse platziert. Die natürliche Linse bleibt vollständig erhalten, die Hornhaut bleibt unverändert. Dass die natürliche Linse erhalten bleibt, ist der Vorteil der ICL gegenüber dem Augenlasern. Das Linsenimplantat eignet sich für Personen mit dünner Hornhaut, trockenen Augen oder hohen Dioptrienwerten, bei denen ein Laserverfahren ausscheidet.

Wir setzen bei Lasermed die EVO Visian ICL ein. Der Korrekturbereich der EVO Visian ICL:

  • Kurzsichtigkeit bis -20 Dioptrien
  • Weitsichtigkeit bis +10 Dioptrien
  • Hornhautverkrümmung bis 6 Dioptrien

Die Korrekturwerte der ICL reichen deutlich über den LASIK-Bereich hinaus. Die ICL ist reversibel. Da die Hornhaut unberührt bleibt, kann die Linse bei Bedarf wieder herausgenommen oder ausgetauscht werden. Wie bei jedem Eingriff gibt es Risiken. In den ersten Wochen können Blendempfindlichkeit und Lichthöfe (Halos) auftreten. Der Augeninnendruck kann zeitweise ansteigen, in seltenen Fällen trübt sich die körpereigene Linse. Alle Risiken der ICL besprechen wir vor dem Eingriff ausführlich mit Ihnen. Den direkten Vergleich der EVO ICL mit der LASIK bei dünner Hornhaut lesen Sie in unserem Ratgeber EVO ICL oder LASIK bei dünner Hornhaut, die Kosten im Überblick unter ICL-Kosten.

Refraktiver Linsentausch (IOL): Die Alternative ab 60

Der refraktive Linsentausch ist ein Eingriff, bei dem die körpereigene Linse durch eine künstliche Intraokularlinse (IOL) ersetzt wird. Medizinisch spricht man von einer Linsenimplantation. Der Ablauf entspricht technisch der Operation des Grauen Stars, einem Standardeingriff der Augenheilkunde. Die Hornhaut bleibt unverändert. Geeignet ist das Verfahren vor allem ab dem etwa 60. Lebensjahr oder bei ausgeprägter Alterssichtigkeit (Presbyopie), wenn die eigene Linse ohnehin an Leistung verliert oder erste Trübungen zeigt.

Der Linsentausch hat einen Zusatznutzen: Mit dem Entfernen der natürlichen Linse kann sich kein Grauer Star mehr entwickeln. Je nach Sehgewohnheiten kommen zwei Linsentypen infrage:

  • Multifokale Linsen: Diese Kunstlinsen bündeln das Licht in zwei oder drei Brennpunkten (Bi- und Trifokallinsen) und ermöglichen scharfes Sehen in Ferne und Nähe, im Alltag häufig ganz ohne Brille.
  • EDOF-Linsen (Extended Depth of Focus): EDOF-Linsen dehnen die Tiefenschärfe und erzeugen einen fließenden Übergang zwischen Nah- und Fernsicht. Lichthöfe und Blendungen bei Nacht treten seltener auf als bei Multifokallinsen.

Im Gegensatz zur ICL ist der Linsentausch endgültig, weil die körpereigene Linse entfernt wird. Der Linsentausch ist damit die richtige Wahl, wenn die körpereigene Linse ihre beste Zeit hinter sich hat. Mehr zum Ablauf und den Linsenoptionen lesen Sie im Ratgeber zum refraktiven Linsentausch.

ICL vs. Linsentausch: Welches Verfahren passt?

Augen lasern oder eine neue Linse einsetzen: Die Antwort hängt von Alter, Hornhaut und Fehlsichtigkeit ab. Die ICL ist die richtige Wahl, wenn die körpereigene Linse noch klar und funktionsfähig ist, also typischerweise bei jüngeren Patienten mit hoher Fehlsichtigkeit oder dünner Hornhaut. Der Linsentausch ist die richtige Wahl, wenn die eigene Linse altersbedingt nachlässt oder sich zu trüben beginnt, typischerweise jenseits der 60. Die drei Verfahren im direkten Vergleich:

Augenlasern (PRK/LASIK/SMILE)

Ansatz

Hornhaut wird mit dem Laser modelliert

Korrekturbereich

bis -7 / +4 dpt, Astigmatismus bis 4 dpt

Hornhautdicke nötig

mindestens 500 µm

Reversibel

nein

Typische Zielgruppe

18 bis etwa 45 Jahre, stabile Werte

Kosten pro Auge

ab 950 € (PRK), SMILE Pro ab 1.890 €

ICL (Zusatzlinse)

Ansatz

Kunstlinse zusätzlich zur eigenen Linse

Korrekturbereich

bis -20 / +10 dpt, Astigmatismus bis 6 dpt

Hornhautdicke nötig

nicht erforderlich

Reversibel

ja

Typische Zielgruppe

jüngere Patienten, dünne Hornhaut, hohe Werte

Kosten pro Auge

ab 2.490 €

Linsentausch (IOL)

Ansatz

eigene Linse wird ersetzt

Korrekturbereich

auch sehr hohe Werte, inklusive Alterssichtigkeit

Hornhautdicke nötig

nicht erforderlich

Reversibel

nein

Typische Zielgruppe

ab etwa 60, Alterssichtigkeit, beginnender Grauer Star

Kosten pro Auge

höherer Aufwand, Preis nach Linsentyp

Welche Methode im Einzelfall geeignet ist, entscheidet sich erst in der Voruntersuchung. Dabei messen wir Hornhautdicke, Augeninnendruck und Linsenzustand und besprechen Ihre Sehgewohnheiten. Erst die Messwerte aus der Voruntersuchung zeigen verlässlich, welches Verfahren für Ihre Augen geeignet ist.

Was kosten ICL und Linsentausch, und zahlt die Krankenkasse?

Bei Lasermed beginnen die Kosten für die ICL bei 2.490 Euro pro Auge. Deutschlandweit liegen die Preise je nach Anbieter und Linsentyp meist zwischen 2.500 und 4.500 Euro pro Auge. Zum Vergleich: Augenlaser-Verfahren beginnen bei 950 Euro pro Auge. Der refraktive Linsentausch liegt über dem ICL-Niveau, weil der Eingriff aufwendiger ist und wir Premiumlinsen wie Multifokal- oder EDOF-Linsen einsetzen. Den genauen Preis für Ihre Ausgangslage erhalten Sie nach der Voruntersuchung als verbindliches Angebot. Für die Planbarkeit der Behandlung bieten wir eine Finanzierung mit 0 % Zinsen über bis zu 12 Monate an. Für längere Laufzeiten ist Ratenzahlung über bis zu 72 Monate möglich.

Bei der Kostenübernahme unterscheiden sich gesetzliche und private Krankenkassen deutlich:

  • Gesetzliche Krankenkassen (GKV): Refraktive Eingriffe ohne vorliegenden Grauen Star werden in über 90 % der Fälle abgelehnt. Liegt ein Grauer Star vor, übernimmt die GKV die Operation mit einer Standardlinse vollständig, die Mehrkosten für Premiumlinsen tragen Sie selbst.
  • Private Krankenversicherung (PKV): Die Erstattung hängt vom Tarif ab. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2017 hat bestätigt, dass eine Fehlsichtigkeit als Krankheit im Sinn der Versicherungsbedingungen gelten kann. Stellen Sie den Antrag immer vor der Behandlung und warten Sie die schriftliche Zusage ab.

Details zu Antrag und Voraussetzungen lesen Sie unter Kostenübernahme der Linsenimplantation durch die Krankenkasse und in unserem Überblick zu den Augenlasern-Kosten.

Praktische Hinweise zur Vorbereitung und Nachsorge

Kontaktlinsenträger pausieren vor der Vermessung 2 Wochen bei weichen und 4 Wochen bei harten Linsen, damit die Hornhaut ihre natürliche Form zeigt. Der Weg zur Kunstlinse folgt bei uns vier festen Schritten: In der Voruntersuchung vermessen wir Ihre Augen vollständig. Auf Basis dieser Messwerte wählen wir gemeinsam mit Ihnen das Verfahren. Beim Eingriff setzt der Operateur die gewählte Linse ein, die Hornhaut bleibt unverändert. In der Nachsorge begleiten wir Sie mit festen Nachkontrollen am ersten Tag, nach einer Woche, nach einem Monat und nach einem Jahr. Konkrete Empfehlungen zu Sportpausen, Augentropfen und Alltag erhalten Sie von Ihrem behandelnden Augenarzt.

Lasermed: Beratung zu Alternativen zum Augenlasern

Lasermed berät zu den Alternativen zum Augenlasern an drei Standorten: Berlin, Hamburg und Leipzig. Kommt eine Laserbehandlung für Sie nicht infrage, prüfen unsere Spezialisten in einem ausführlichen Beratungsgespräch, ob die ICL oder ein Linsentausch für Sie geeignet ist. Auf Basis einer vollständigen Vermessung Ihrer Augen erhalten Sie ein individuelles Behandlungskonzept mit verbindlichem Preis. Vereinbaren Sie einen unverbindlichen Beratungstermin und klären Sie, welche Form der Augenkorrektur für Ihre Augen die richtige ist.

Häufige Fragen

Für wen sind Alternativen zum Augenlasern geeignet?

ICL und Linsentausch kommen infrage, wenn eine Laserbehandlung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist: bei zu dünner Hornhaut, sehr hoher Fehlsichtigkeit, Hornhauterkrankungen, instabilen Sehwerten oder Alterssichtigkeit. Welches Verfahren passt, zeigt die augenärztliche Voruntersuchung.

Was ist der Unterschied zwischen ICL und Augenlasern?

Beim Augenlasern modelliert der Laser die Hornhaut dauerhaft neu. Bei der ICL wird eine zusätzliche Kunstlinse ins Auge eingesetzt, ohne die Hornhaut zu verändern. Die ICL ist reversibel, die Laserbehandlung nicht.

Bis zu welcher Fehlsichtigkeit kann die ICL eingesetzt werden?

Die EVO Visian ICL korrigiert Kurzsichtigkeit bis -20 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis +10 Dioptrien und Hornhautverkrümmung bis 6 Dioptrien. Der Korrekturbereich der LASIK-Verfahren endet deutlich früher.

Ist die ICL-Behandlung rückgängig zu machen?

Ja. Die körpereigene Linse bleibt erhalten, die Kunstlinse kann bei Bedarf wieder entfernt oder ausgetauscht werden.

Für wen ist der refraktive Linsentausch geeignet?

Der refraktive Linsentausch eignet sich besonders ab etwa 60 Jahren und bei ausgeprägter Alterssichtigkeit. Der Eingriff beugt dem Grauen Star vor: Ohne die natürliche Linse kann sich keine Linsentrübung mehr entwickeln.

Was ist der Unterschied zwischen Multifokal- und EDOF-Linsen?

Multifokale Linsen bilden zwei bis drei Brennpunkte und ermöglichen scharfes Sehen in Ferne und Nähe. EDOF-Linsen dehnen die Tiefenschärfe fließend und erzeugen dabei weniger Lichthöfe und Blendungen bei Nacht.

Wie lange hält eine neue Augenlinse?

Die Kunstlinse ist für den dauerhaften Verbleib im Auge ausgelegt und muss nicht regelmäßig gewechselt werden.

Zahlt die Krankenkasse die Kosten für ICL oder Linsentausch?

Die gesetzlichen Kassen lehnen refraktive Eingriffe ohne Grauen Star in über 90 % der Fälle ab. Bei vorliegendem Grauen Star übernimmt die Kasse die Operation mit Standardlinse, Premiumlinsen zahlen Sie selbst. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2017 bestätigt, dass Fehlsichtigkeit als Krankheit im Sinn der Versicherungsbedingungen gelten kann.

Wo bietet Lasermed Beratung zu Linsenverfahren an?

Lasermed berät zu ICL und Linsentausch an den Standorten Berlin, Hamburg und Leipzig. Vereinbaren Sie einen unverbindlichen Termin, um Ihre persönlichen Voraussetzungen prüfen zu lassen.