Der Satz „Augenärzte lassen sich selbst nicht lasern“ wird häufig als Argument gegen eine Augenlaserbehandlung verwendet. Er klingt plausibel, hält einer genaueren Prüfung aber nicht stand. Augenärztinnen und Augenärzte tragen aus denselben Gründen eine Brille wie andere Menschen: Manche erfüllen die medizinischen Voraussetzungen nicht, andere sind alterssichtig oder entscheiden sich persönlich gegen einen Eingriff. Eine Brille im Gesicht eines Arztes sagt deshalb nichts über die Sicherheit moderner Augenlaser-Verfahren aus.

Was steckt hinter dem Mythos?
Der Mythos entsteht durch eine verkürzte Beobachtung: Wer beruflich viel über Augen weiß und trotzdem eine Brille trägt, müsse geheime Risiken kennen. Dabei bleibt unsichtbar, welche Sehhilfe die Person benötigt, wie hoch ihre Fehlsichtigkeit ist und ob ihre Augen für eine refraktive Behandlung geeignet sind. Auch persönliche Entscheidungen spielen eine Rolle. Nicht jeder Mensch empfindet eine Brille als störend. Andere möchten keinen elektiven Eingriff durchführen lassen, obwohl sie medizinisch geeignet wären. Solche Präferenzen lassen sich nicht als fachliches Urteil über das Augenlasern verallgemeinern. Belastbare Belege dafür, dass Augenärzte sich seltener lasern lassen als andere Menschen, gibt es jedoch nicht. Die Schlussfolgerung greift aus mehreren Gründen zu kurz.
Nicht jeder Augenarzt erfüllt die medizinischen Voraussetzungen
Augenlasern ist an klare medizinische Kriterien geknüpft. Voraussetzungen sind unter anderem eine ausreichend dicke und gesunde Hornhaut, eine stabile Sehstärke sowie das Fehlen bestimmter Augenerkrankungen. Sehr hohe Dioptrienwerte oder eine ausgeprägte Trockenheit der Augen können ebenfalls gegen eine Laserbehandlung sprechen. Augenärzte sind von diesen biologischen Grenzen genauso betroffen wie alle anderen Patientinnen und Patienten. Ein Teil von ihnen erfüllt die Eignungskriterien schlicht nicht und trägt deshalb weiterhin Brille.Entscheidend ist daher nicht der Beruf, sondern das Ergebnis einer gründlichen Voruntersuchung. Dabei werden unter anderem Fehlsichtigkeit, Hornhautform, Hornhautdicke, Tränenfilm und mögliche Augenerkrankungen geprüft. Erst danach lässt sich beurteilen, ob beispielsweise PRK, Femto-LASIK oder ReLEx SMILE infrage kommt.
Alterssichtigkeit betrifft auch medizinisches Fachpersonal
Viele Augenärztinnen und Augenärzte, die man mit Brille sieht, tragen eine Lesebrille. Die Alterssichtigkeit, in der Fachsprache Presbyopie, setzt bei den meisten Menschen ab etwa Mitte 40 ein. Eine klassische Laserkorrektur der Fernsicht hebt die Presbyopie nicht auf. Eine Lesebrille im Gesicht eines Augenarztes ist deshalb kein Argument gegen die Laserkorrektur von Kurz- oder Weitsichtigkeit. Für geeignete Patientinnen und Patienten stehen spezielle Konzepte zur Korrektur der Alterssichtigkeit zur Verfügung. Ob diese passen, hängt von Alter, Sehanforderungen, Augengesundheit und persönlicher Verträglichkeit ab.
Augenheilkunde umfasst viele Spezialgebiete
Nicht jede Augenärztin und jeder Augenarzt arbeitet in der refraktiven Chirurgie. Das Fachgebiet umfasst unter anderem Netzhauterkrankungen, Glaukom, Kinderaugenheilkunde, Hornhauterkrankungen und Kataraktchirurgie. Die Berufsbezeichnung allein zeigt daher nicht, wie intensiv sich eine Person mit Augenlaser-Verfahren beschäftigt oder ob sie selbst für eine Behandlung geeignet ist. Umgekehrt ist auch eine persönliche Laserbehandlung kein Qualitätsnachweis für eine Klinik. Wichtiger sind eine sorgfältige Diagnostik, eine realistische Beratung, nachvollziehbare Behandlungsempfehlungen und die Erfahrung des Operateurs.
Was die Praxis zeigt
Tatsächlich lassen sich viele in der refraktiven Chirurgie tätige Fachleute selbst oder Angehörige lasern, sofern sie geeignet sind – wer Verfahren täglich durchführt und ihre Ergebnisse kennt, hat oft weniger Berührungsängste. Belastbare Belege für die Behauptung, Augenärzte würden den Eingriff besonders häufig meiden, gibt es hingegen nicht.
Dass Augenärzte sich grundsätzlich nicht lasern ließen, ist ein Mythos. Wenn Fachleute Brille tragen, liegt das meist an fehlender Eignung, an Alterssichtigkeit oder an persönlicher Vorliebe – nicht an verstecktem Wissen über angebliche Gefahren. Entscheidend ist Ihre eigene medizinische Ausgangslage, nicht die Brille auf der Nase eines Arztes.
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Häufige Fragen
Stimmt es, dass Augenärzte sich grundsätzlich nicht lasern lassen?
Nein, das ist ein Mythos. Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Augenärzte sich seltener lasern lassen als andere. Tragen sie Brille, liegt das meist an fehlender Eignung, Alterssichtigkeit oder persönlicher Präferenz.
Warum tragen manche Augenärzte eine Brille?
Dafür gibt es drei häufige Gründe: fehlende medizinische Eignung für eine Laserbehandlung, Alterssichtigkeit (Presbyopie) oder persönliche Vorliebe. Keiner dieser Gründe ist ein Hinweis auf versteckte Risiken des Augenlaserverfahrens.
Welche Voraussetzungen sind für eine Augenlaserbehandlung nötig?
Zu den Voraussetzungen zählen eine ausreichend dicke und gesunde Hornhaut, eine stabile Sehstärke und das Fehlen bestimmter Augenerkrankungen. Ob Sie geeignet sind, klärt eine gründliche Voruntersuchung.
Kann das Augenlasern Alterssichtigkeit beheben?
Eine klassische Laserkorrektur behebt in der Regel keine Alterssichtigkeit (Presbyopie). Ob spezielle Verfahren für Sie infrage kommen, besprechen Sie am besten in einem ärztlichen Beratungsgespräch.
Warum hält sich der Mythos so hartnäckig?
Einprägsame Behauptungen verbreiten sich schneller als sachliche Differenzierungen. Zudem sind negative Einzelfälle online sichtbarer als die vielen unauffälligen, erfolgreichen Behandlungen, was ein verzerrtes Bild erzeugen kann.
Was sollte ich bei der Entscheidung für eine Augenlaserbehandlung wirklich beachten?
Entscheidend sind Ihre individuelle Eignung, die Erfahrung des Operateurs und die eingesetzte Technologie. Diese Faktoren lassen sich nur in einer gründlichen Voruntersuchung zuverlässig beurteilen.
