Kurzsichtig oder weitsichtig: Unterschied, Symptome und Ursachen

Nov. 5, 2026

Kurzsichtigkeit macht die Ferne unscharf, während Weitsichtigkeit vor allem die Nähe betrifft. Nahe Gegenstände erkennen Kurzsichtige je nach Ausprägung oft gut. Im Brillenpass stehen bei Kurzsichtigkeit Minus-Werte in Dioptrien, bei Weitsichtigkeit Plus-Werte. Weitsichtige sehen in der Ferne häufig gut und strengen sich beim Lesen an, weil ihre Augenlinse den Sehfehler eine Zeit lang ausgleichen kann. Ob Sie kurzsichtig oder weitsichtig sind und wie stark, zeigt sicher nur eine Messung.


Bärtiger Mann mit runder Brille stützt das Kinn auf die Hand und blickt aufwärts

Was ist der Unterschied zwischen kurzsichtig und weitsichtig?

Der Unterschied zwischen Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit ist die Lage des Brennpunkts, an dem sich die Lichtstrahlen bündeln. Er liegt bei Kurzsichtigkeit vor der Netzhaut und bei Weitsichtigkeit dahinter.

MerkmalKurzsichtigkeitWeitsichtigkeit
Was unscharf istdie Fernevor allem die Nähe
FachbegriffMyopieHyperopie
Augapfelmeist zu langmeist zu kurz
Brennpunktvor der Netzhauthinter der Netzhaut
Vorzeichen im BrillenpassMinusPlus
BrillenglasZerstreuungslinse (Minusglas)Sammellinse (Plusglas)
Schema mit farbig hervorgehobener Netzhaut: Normalsichtiges Auge, Brennpunkt auf der Netzhaut; Kurzsichtigkeit, Brennpunkt vor der Netzhaut, Augapfel meist zu lang; Weitsichtigkeit, Brennpunkt hinter der Netzhaut, Augapfel meist zu kurz. Ohne Maßstab und Messwerte.
Der Strahlengang zeigt den Brennpunkt auf, vor oder hinter der Netzhaut bei normalsichtigen, kurzsichtigen und weitsichtigen Augen.

In der Gutenberg-Gesundheitsstudie von 2014 waren 35,1 % von 13.959 auswertbaren Personen zwischen 35 und 74 Jahren in Deutschland kurzsichtig und 31,8 % weitsichtig. Als kurzsichtig galt in der Studie ein Wert unter minus 0,5 Dioptrien, als weitsichtig ein Wert über plus 0,5 Dioptrien. Der Anteil der Kurzsichtigen nahm mit dem Alter ab, der Anteil der Weitsichtigen zu.

Was bedeutet kurzsichtig?

Kurzsichtigkeit ist eine Fehlsichtigkeit mit unscharfer Fernsicht und je nach Ausprägung oft guter Nahsicht. Der Fachbegriff ist Myopie. Sie entwickelt sich oft schon in der Kindheit oder Jugend.

Für ein scharfes Bild müssen sich die Lichtstrahlen auf der Netzhaut bündeln, wo sich die Sehzellen befinden. Beim kurzsichtigen Auge liegt ihr Brennpunkt davor, weshalb entfernte Objekte unscharf werden.

Der Augapfel ist dabei meist länger als bei einem normalsichtigen Auge. Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte ist ein normalsichtiges Auge etwa 24 Millimeter lang. Bereits ein Millimeter mehr entspricht dort einem Sehfehler von 2,7 Dioptrien. Je länger das Auge ist, desto stärker ist die Kurzsichtigkeit.

Was bedeutet weitsichtig?

Weitsichtigkeit ist eine Fehlsichtigkeit mit vor allem unscharfer Nahsicht und in der Regel guter Fernsicht. Die Fachbegriffe sind Hyperopie und Übersichtigkeit. Bei stärkerer Weitsichtigkeit können auch entfernte Objekte oder mittlere Entfernungen unscharf erscheinen.

Akkommodation ist der Vorgang, bei dem sich der Ziliarmuskel anspannt und die Augenlinse verformt, damit sie Licht aus unterschiedlichen Entfernungen auf der Netzhaut bündelt. Bei weitsichtigen Augen muss sich die Linse stärker verformen. Kinder und junge Erwachsene können die zusätzliche Anstrengung des Ziliarmuskels in der Regel gut ausgleichen und bemerken ihre Weitsichtigkeit meist nicht.

Mit zunehmendem Alter wird der Ziliarmuskel schwächer und kann die Weitsichtigkeit schlechter ausgleichen. Viele Weitsichtige müssen ungefähr ab dem 30. Lebensjahr eine Zeitschrift weiter von sich weghalten. Je nach Stärke kann dies auch früher geschehen. Macht sich eine Weitsichtigkeit plötzlich bemerkbar, bestand der Sehfehler oft schon länger. Die Dioptrienzahl verändert sich dabei meist nicht oder nur wenig.

Alterssichtigkeit ist eine Folge des normalen Alterungsprozesses und hat andere Ursachen als Weitsichtigkeit. Der Fachbegriff ist Presbyopie. Bei allen Menschen lässt die Fähigkeit der Augenlinse nach, sich auf Nähe und Ferne einzustellen. Die Beschwerden in der Nähe beginnen meist ab Mitte 40. Eine Hyperopie kann die Alterssichtigkeit verstärken.

Plus oder Minus: Was die Dioptrien im Brillenpass sagen

Kurzsichtigkeit erkennen Sie im Brillenpass an negativen Dioptrien-Werten, Weitsichtigkeit an positiven Werten. Die Dioptrie ist die Einheit für den Brechwert des korrigierenden Glases und wird mit dpt abgekürzt. Ein Wert von minus 2,5 Dioptrien bedeutet also Kurzsichtigkeit, plus 2 Dioptrien bedeuten Weitsichtigkeit.

Brillenpass, Beispielwerte: minus 2,5 Dioptrien, Minus: Kurzsichtigkeit; plus 2 Dioptrien, Plus: Weitsichtigkeit. Beide Vorzeichen sind eingekreist.
Eingekreiste Vorzeichen zeigen: minus 2,5 Dioptrien stehen für Kurzsichtigkeit, plus 2 Dioptrien für Weitsichtigkeit.

Bei Weitsichtigkeit gilt: Je höher der Wert über Null liegt, desto stärker ist die Fehlsichtigkeit. Wie Ihr Wert einzuordnen ist, zeigt unsere Übersicht zu den Dioptrien-Werten und Schweregraden.

Woran erkennen Sie Kurz- und Weitsichtigkeit?

Das typische Zeichen von Kurzsichtigkeit ist die unscharfe Fernsicht, während bei Weitsichtigkeit häufig Beschwerden bei Naharbeit im Vordergrund stehen. Eine leichte Kurzsichtigkeit fällt im Alltag oft kaum auf und wird meist erst bemerkt, wenn gute Fernsicht nötig ist, etwa beim Autofahren.

Typische Anzeichen von Kurzsichtigkeit sind:

  • Anzeigetafeln, einzelne Blätter einer Baumkrone oder andere entfernte Details sind bei etwas stärkerer Ausprägung verschwommen.
  • Kinder können Schwierigkeiten haben, von der Schultafel abzulesen.
  • Viele Kurzsichtige blinzeln häufig oder kneifen die Augen zusammen, um deutlicher zu sehen.

Bei Weitsichtigkeit steht häufig die Anstrengung beim Lesen oder bei anderer Naharbeit im Vordergrund. Gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen, deren Augen den Sehfehler ausgleichen, können Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • rasch ermüdete Augen
  • Augenschmerzen oder brennende Augen
  • Bindehautentzündung

Die Beschwerden bei Naharbeit können auf Weitsichtigkeit hinweisen, reichen für eine Unterscheidung der Fehlsichtigkeiten jedoch nicht aus. Bei neuen oder zunehmenden Beschwerden ist daher eine Messung sinnvoll.

Wie wird festgestellt, ob Sie kurz- oder weitsichtig sind?

Der Test auf Kurz- und Weitsichtigkeit besteht aus einem Sehtest und einer Messung der Brechkraft. Er ist in einer Augenarztpraxis oder einem Optikergeschäft möglich.

Beim Sehtest sollen Sie unterschiedlich große Buchstaben oder Zeichen aus einer festgelegten Entfernung erkennen und benennen. Die Augen werden einzeln geprüft, indem abwechselnd eines abgedeckt wird. Anschließend schauen Sie meist durch Linsen unterschiedlicher Stärke und geben an, mit welchen Sie die Zeichen am besten erkennen.

Bei der objektiven Messung der Brechkraft sendet ein Gerät einen Lichtstrahl ins Auge und misst dessen Lichtbrechung, unabhängig von Ihren Angaben.

Vor allem bei Kindern können Augentropfen nötig sein, die den Ziliarmuskel vorübergehend lähmen und die Pupillen erweitern. So passt sich das Auge während der Messung nicht an Nähe und Ferne an. Danach sehen Sie einige Stunden unscharf und sind sehr lichtempfindlich. In dieser Zeit dürfen Sie nicht am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen.

Ursachen von Kurz- und Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit ist eine meist angeborene Fehlsichtigkeit, während bei Kurzsichtigkeit vermutlich Vererbung und Umweltfaktoren in der Kindheit zusammenwirken.

Tritt Kurzsichtigkeit in der Familie gehäuft auf, steigt die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls kurzsichtig zu werden. Nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte hemmt Tageslicht in der Kindheit das Wachstum des Augapfels, andauernde Naharbeit fördert es dagegen. Auch eine stärker als normal gewölbte Hornhaut oder Augenlinse kann die Lichtstrahlen zu stark brechen.

Die häufigste Ursache der Weitsichtigkeit ist ein meist angeborener, vermutlich vererbter zu kurzer Augapfel. Seltener hat der Augapfel eine normale Länge, aber Hornhaut oder Augenlinse brechen das Licht zu wenig. Das kann beispielsweise vorkommen, wenn sich die Linse durch eine Verletzung oder einen Tumor verschiebt.

Kann man kurzsichtig und weitsichtig zugleich sein?

Im selben Auge bestehen Kurz- und Weitsichtigkeit im Allgemeinen nicht gleichzeitig, auf zwei Augen verteilt aber schon.

Anisometropie ist der Fachbegriff für unterschiedliche Werte beider Augen. So kann das linke Auge schlechter sein als das rechte. In der Gutenberg-Gesundheitsstudie unterschieden sich bei 13,5 % der 35 bis 74 Jahre alten Teilnehmer in Deutschland beide Augen um mehr als 1,0 Dioptrie. Dazu zählen auch zwei kurzsichtige oder zwei weitsichtige Augen mit unterschiedlichen Werten.

Zu einer bestehenden Kurzsichtigkeit kann im Alter eine Alterssichtigkeit hinzukommen. Wer als Kurzsichtiger später beim Lesen Schwierigkeiten bekommt, muss deshalb nicht weitsichtig geworden sein.

Eine Hornhautverkrümmung, auch Astigmatismus genannt, kann nahe und ferne Objekte unscharf oder verzerrt erscheinen lassen. Die Hornhautverkrümmung ist eine eigene Fehlsichtigkeit und tritt meist zusammen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf.

Was ist schlimmer: kurzsichtig oder weitsichtig?

Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit können beide Folgen für die Augen haben, eine leichte Kurzsichtigkeit hat aber meist keine gesundheitlichen Folgen.

Vor allem bei sehr starker Kurzsichtigkeit können sich Gewebsschichten im Augenhintergrund verändern. Dann besteht ein höheres Risiko für Augenerkrankungen, etwa Grauen Star, Makuladegeneration oder Netzhautablösung. Ohne richtige Behandlung können diese Erkrankungen die Sehkraft dauerhaft beeinträchtigen. Auch das Risiko für Grünen Star (Glaukom) und Schielen nimmt mit zunehmender Kurzsichtigkeit zu.

Eine starke Weitsichtigkeit kann zu Schielen nach innen führen. Bei Kindern kann dadurch eine Schwachsichtigkeit, medizinisch Amblyopie, entstehen. Bei den meisten Kindern lässt sich diese Schwachsichtigkeit etwa mit einer Brille oder zeitweisem Abkleben des stärkeren Auges beheben. Das akute Winkelblockglaukom ist eine Form des Grünen Stars und kann bei weitsichtigen Menschen auftreten. Dabei steigt der Augeninnendruck stark an und schädigt den Sehnerv. Mögliche Folgen von Kurz- und Weitsichtigkeit lassen sich nur anhand der persönlichen Werte und einer Augenuntersuchung einordnen.

Kurz- und Weitsichtigkeit bei Kindern

Eine leichte Weitsichtigkeit ist der Regelfall bei der Geburt. Kurzsichtigkeit wird bei kleineren Kindern oft nicht bemerkt. Die leichte Weitsichtigkeit macht in der Regel keine Probleme und verwächst sich häufig in den ersten Lebensjahren. Durch das Wachstum des Augapfels kann sich Weitsichtigkeit bis zum Erwachsenenalter in vielen Fällen verbessern.

Einfache Sehtests gehören in Deutschland zu den regelmäßigen U-Untersuchungen. Einige Kinderarztpraxen messen mit speziellen Geräten auch die Brechkraft. Bei Auffälligkeiten sollte ein Augenarzt das Kind umfassender untersuchen. Sind Eltern selbst stärker kurzsichtig, ist eine augenärztliche Untersuchung bereits vor der Einschulung sinnvoll. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Sehfähigkeit vor allem in den ersten fünf Lebensjahren entwickelt.

Unbehandelte Weitsichtigkeit könnte bei Schulkindern die Schulleistungen einschränken, weil Bücher oder Übungsblätter schwerer zu entziffern sind. Studien deuten darauf hin, dass sich die Leistungen mit einer Brille verbessern können.

Das Risiko für Kurzsichtigkeit lässt sich wahrscheinlich senken, wenn Kinder genügend Zeit im Freien verbringen und nicht zu lange am Stück nahe Gegenstände betrachten. Laut einer Mitteilung des Berufsverbands der Augenärzte von 2019 sinkt es bei täglich mindestens 2 Stunden Tageslicht im Freien um die Hälfte. Meist wird empfohlen, beim Lesen mindestens 30 Zentimeter Abstand zu halten und nach 30 Minuten für 10 Minuten in die Ferne zu blicken. Wissenschaftlich fundierte Grenzwerte, wie lange Kinder täglich auf Bildschirme schauen sollten, gibt es laut dem Verband nicht.

Wie lassen sich Kurz- und Weitsichtigkeit korrigieren?

Kurz- und Weitsichtigkeit lassen sich mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen, sodass Sie wieder scharf sehen.

  • Brille: Sie gleicht den Brechungsfehler aus; bei Weitsichtigkeit ist sie die einfachste Hilfe und wird eingesetzt, wenn das Auge den Sehfehler nicht selbst ausgleichen kann oder Beschwerden auftreten.
  • Kontaktlinsen: Sie sind bei beiden Fehlsichtigkeiten eine Alternative zur Brille.
  • Operative Korrektur: Sie kommt bei Erwachsenen unter bestimmten Voraussetzungen infrage. Mögliche Risiken sind Sehstörungen oder Entzündungen. Verschlechtert sich die Sehkraft weiter oder entwickelt sich eine Alterssichtigkeit, kann später wieder eine Brille nötig sein.

Informationen zur operativen Behandlung finden Sie auf den Seiten zu Kurzsichtigkeit lasern und Weitsichtigkeit lasern. In einer Beratung bei Lasermed klären wir, ob eine operative Korrektur für Ihre Augen infrage kommt.

Häufige Fragen zu Kurz- und Weitsichtigkeit

Kann sich Kurzsichtigkeit wieder verbessern?

Nein. Nach einem übermäßigen Längenwachstum des Augapfels in der Kindheit lässt sich Kurzsichtigkeit später nicht mehr rückgängig machen.

Wird Kurzsichtigkeit immer schlimmer?

Kurzsichtigkeit beginnt gewöhnlich im Grundschulalter und nimmt meist bis nach der Pubertät zu, weil der Augapfel in dieser Zeit in die Länge wächst. Ab dem frühen Erwachsenenalter verändert sie sich nur noch langsam.

Kann man von weitsichtig zu kurzsichtig werden?

Im hohen Alter kann sich die Brechkraft Richtung Kurzsichtigkeit verschieben. In europäischen Studien stieg der Anteil der Kurzsichtigen ab 75 Jahren wieder an. Wahrscheinlich lag das an einem Grauen Star, der die Brechkraft der Linse erhöht.

Was passiert, wenn man kurzsichtig ist und keine Brille trägt?

Ohne geeignete Sehhilfe können trockene, brennende oder tränende Augen, müde Augen, Schmerzen oder Druckgefühl im Auge und Kopfschmerzen auftreten. Bei starker Kurzsichtigkeit können nur noch Dinge in wenigen Zentimetern Entfernung scharf erkannt werden. Lesen mit normalem Abstand zum Buch ist dann nicht mehr möglich.